Von , Direktor des Nederlands Kleurinstituut (SNKI) · Veröffentlicht 21. Oktober 2026 · Aktualisiert 21. Oktober 2026

Hellbezugswert (LRV) erklärt für Architekten

Die kurze Antwort

Der LRV ist der Anteil des sichtbaren Lichts, den eine Fläche zurückwirft, von 0 (Schwarz) bis 100 (vollkommen Weiß). Weiße Farbe liegt meist über 80.

Der Hellbezugswert, international LRV (light reflectance value), gibt an, wie viel Licht eine Oberfläche zurückwirft. Für Architekten ist er eine praktische Zahl. Er bestimmt den Kontrast für sehbehinderte Menschen, wie hell ein Raum wird und wie viel Kunstlicht Sie brauchen.

Was ist der LRV?

LRV steht für light reflectance value, auf Deutsch meist Hellbezugswert. Die Zahl gibt an, welchen Anteil des sichtbaren Lichts eine Oberfläche zurückwirft, gewichtet nach der Empfindlichkeit des Auges. Die Skala reicht von 0 (alles Licht absorbiert) bis 100 (alles Licht zurückgeworfen). In der Praxis erreicht kein Material diese Extreme: Schwarz liegt immer über 0 und Weiß nie bei 100. Weiße Farbe liegt meist über 80, tiefes Schwarz unter 10.

Technisch ist der LRV der Y-Wert aus dem CIE-Farbsystem (XYZ). Prüfberichte nach der britischen Messnorm BS 8493 verwenden dafür die Lichtart D65 und den 10°-Beobachter, mit eingeschlossenem Glanz.

Warum der LRV zählt

Kontrast für SehbehinderteMenschen mit einer Sehbehinderung sehen vor allem Unterschiede in der Helligkeit, weniger in der Farbe. Eine Tür, Stufenkante oder Wandkante fällt erst auf, wenn ihr LRV sich deutlich von der Umgebung unterscheidet.
TageslichtHelle Wände und Decken werfen Tageslicht tiefer in den Raum. Dunkle Flächen nehmen es auf.
EnergieJe mehr Licht die Flächen zurückwerfen, desto weniger Kunstlicht ist für dieselbe Beleuchtungsstärke nötig.
KomfortZu große Unterschiede zwischen sehr hellen und sehr dunklen Flächen können blenden oder ermüden. Eine ausgewogene Verteilung wirkt ruhiger.

Bei Fassaden kommt noch etwas hinzu. Eine helle Fassade erwärmt sich in der Sonne weniger als eine dunkle. Der LRV betrifft nur sichtbares Licht; für die Wärme zählt auch das Infrarot. Nutzen Sie den LRV dort also als Hinweis, nicht als Rechenwert.

Kontrast: die Faustregel von 30 Punkten

Helligkeitskontrast drücken Sie als Differenz zweier LRV-Werte aus. In der britischen Richtlinie BS 8300 gilt eine Differenz von mindestens 30 Punkten zwischen angrenzenden Flächen als ausreichender visueller Kontrast. Ein Boden mit LRV 20 und eine Wand mit LRV 55 unterscheiden sich um 35 Punkte und erfüllen das.

Welche Anforderung in Ihrem Projekt gilt, hängt von den Vorschriften und von der Richtlinie ab, die der Auftraggeber vorgibt. Prüfen Sie das vorab. Diese Seite ersetzt keine Norm.

Farbe ist kein KontrastRot und Grün können genau denselben LRV haben. Für einen sehbehinderten Menschen verschwimmen sie dann. Beurteilen Sie Kontrast deshalb nach der Helligkeit, nicht nach dem Farbton.

LRV und der NCS-Code

Der NCS-Code beschreibt, wie eine Farbe aussieht: Schwarzanteil (s), Buntheit (c) und Farbton. Der LRV ist ein gemessener Wert. Beide hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe.

  • Bei gleichem Farbton und gleicher Buntheit bedeutet mehr Schwarzanteil einen niedrigeren LRV. S 1000-N wirft mehr Licht zurück als S 5000-N und S 5000-N mehr als S 9000-N.
  • Ein hoher Weißanteil, also wenig Schwarzanteil und wenig Buntheit, bedeutet einen hohen LRV. Weißtöne liegen meist über 80.
  • Auch der Farbton zählt. S 2050-Y und S 2050-B haben denselben Schwarzanteil und dieselbe Buntheit, aber die gelbe Farbe wirft viel mehr Licht zurück als die blaue.

NCS hat außerdem ein eigenes Maß für Helligkeit, die NCS-Helligkeit (v). Der NCS Lightness Meter zeigt sie neben dem Y-Wert, sodass Sie beide nebeneinander sehen.

Verwenden Sie eine Tabelle mit LRV-Werten je Farbcode nicht als Nachweis für ein Projekt. Farbe, Glanzgrad und Untergrund verändern den tatsächlichen Wert. Fragen Sie den Hersteller nach dem gemessenen LRV des Produkts oder messen Sie selbst.

Faustregeln für den Entwurf

  1. 1Die Decke am hellstenLichtnormen für Arbeitsstätten wie EN 12464-1 nennen empfohlene Reflexionsbereiche für die großen Flächen: die Decke am höchsten, den Boden am niedrigsten. Die Zahlen finden Sie in der Ausgabe, die für Ihr Projekt gilt.
  2. 2Kontrast, wo es darauf ankommtSorgen Sie für einen deutlichen LRV-Unterschied an Türen und Zargen, Treppen und Stufenkanten, am Übergang von Wand und Boden, an Bedienelementen und Hindernissen.
  3. 3Nicht alles gleich hellEin Raum, in dem alles gleich hell ist, ist für Sehbehinderte schwer lesbar. Ein dunklerer Boden oder Sockel gibt Halt.
  4. 4An den Glanz denkenGlänzende Flächen spiegeln Leuchten und Fenster. Diese Reflexionen können den Kontrast aufheben. Matte Oberflächen wirken ruhiger.
  5. 5Schriftlich festhaltenNotieren Sie im Leistungsverzeichnis je Fläche den NCS-Code, den Glanzgrad und den geforderten LRV oder LRV-Unterschied.

So messen Sie den LRV

Den LRV messen Sie mit einem Farbmessgerät oder Spektralfotometer, das den Y-Wert ausgibt oder L* unter D65 mit dem 10°-Beobachter. Aus L* berechnen Sie den Y-Wert selbst:

Y = 100 × ((L* + 16) / 116)³Diese Formel gilt für L* über 8. Ein Grau mit L* 50, das für das Auge genau zwischen Weiß und Schwarz liegt, hat einen Y-Wert von etwa 18. Das Auge empfindet Helligkeit also ganz anders als die Menge des zurückgeworfenen Lichts.

Der NCS Colourpin PRO misst laut NCS mit einer Kugelgeometrie (d/0) einschließlich Glanz und liefert Lab-Werte unter D65 mit dem 10°-Beobachter. Das entspricht der Art, wie der LRV gemessen wird. Für eine offizielle Angabe, etwa bei einer Ausschreibung, verlangen Sie einen Prüfbericht nach der vorgeschriebenen Methode.

Sie möchten ohne Elektronik schnell schätzen? Der NCS Lightness Meter ist eine Karte mit 18 grauen Mustern mit runden Sichtlöchern. Sie suchen das Grau, das so hell wirkt wie die Fläche, und lesen die zugehörige NCS-Helligkeit und den Y-Wert ab.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein guter LRV für eine Wand?

Das hängt von der Funktion ab. Helle Wände werfen mehr Licht zurück und machen einen Raum heller; Weißtöne liegen meist über 80. Wichtiger als der Wert selbst ist oft der Unterschied zu Boden, Türen und Decke. Als Faustregel gelten mindestens 30 Punkte Differenz.

Ist der LRV dasselbe wie der NCS-Schwarzanteil?

Nein. Der Schwarzanteil beschreibt, wie schwarz eine Farbe wirkt; der LRV ist gemessenes zurückgeworfenes Licht. Bei gleichem Farbton und gleicher Buntheit sinkt der LRV, wenn der Schwarzanteil steigt. Aber S 2050-Y und S 2050-B mit derselben Nuance haben einen sehr unterschiedlichen LRV: Gelb wirft viel mehr Licht zurück als Blau.

Kann ich den LRV aus L*a*b* berechnen?

Ja, allein aus L*. Die Formel lautet Y = 100 × ((L* + 16) / 116)³ und gilt für L* über 8. Verwenden Sie L*, gemessen unter D65 mit dem 10°-Beobachter und mit eingeschlossenem Glanz. Für eine offizielle Angabe verlangen Sie einen Prüfbericht.

Warum gibt es hier keine LRV-Tabelle je NCS-Farbe?

Weil ein Tabellenwert wenig über Ihr Projekt aussagt: Farbe, Glanzgrad und Untergrund verändern den tatsächlichen Wert. Fragen Sie den Hersteller nach dem gemessenen LRV des Produkts oder messen Sie die ausgeführte Fläche. Ein Farbmessgerät oder der NCS Lightness Meter hilft dabei.

Gilt die 30-Punkte-Regel auch in Deutschland?

Die Regel stammt aus britischen Richtlinien wie BS 8300. Sie ist eine brauchbare Faustregel, aber welche Anforderung in Ihrem Projekt gilt, hängt von den Vorschriften und von der Richtlinie ab, die der Auftraggeber anwendet. Prüfen Sie das immer vorab.

LRV messen oder schätzenMit dem NCS Lightness Meter schätzen Sie Helligkeit und Y-Wert visuell. Mit dem NCS Colourpin PRO messen Sie Lab-Werte, aus denen Sie den Y-Wert berechnen.

, Direktor von SNKI. Farbexperte, Dozent und Forscher mit 35 Jahren Erfahrung in Farbtechnik und Farbanwendung.